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Rathausbrand



Sicherlich der größte Einsatz der letzten Jahre war der Brand des von der ev. Kirchengemeinde genutzten Cleeberger Rathauses am 16.03.2002

Folgender Einsatzbericht wurde in der Feuerwehr-Fachzeitschrift "Florian Hessen" veröffentlicht:

Feuer im „Alten Rathaus“


Am Samstag, 16. März 2002 zerstörte ein Feuer das 1. OG und das Dachgeschoß des „Alten Rathauses“ in Langgöns-Cleeberg (Landkreis Gießen). Etwa 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten die Zerstörung des gesamten Gebäudes sowie das Übergreifen auf Nachbargebäude verhindern.

Objekt:

Das „Alte Rathaus“ wurde 1574 in Fachwerkbauart errichtet und zuletzt vor ca. 2 Jahren komplett renoviert. Es liegt im Ortskern der Taunusrandgemeinde Cleeberg und hat seither einen ortsbildprägenden Charakter. Im Erdgeschoß und im 1. OG befinden sich Versammlungs- und Tagungsräume der evangelischen Kirchengemeinde. Das Dachgeschoß ist seit Jahrzehnten Treffpunkt der örtlichen Jugend. Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes ist die evangelische Kirchengemeinde.

Wetter:

Bei Einsatzbeginn herrschte starker Nebel. Die Lufttemperatur lag bei ca.
+ 10 Grad Celsius.

Lage:

Am 16. März 2002 führte die evangelische Kirchengemeinde eine Altkleidersammlung durch. Dabei bringen die Einwohner ihre Altkleidersäcke zur Sammelstelle im 1. OG des Alten Rathauses. Einigen Besuchern fiel gegen 11.15 Uhr die große Hitze in den Räumlichkeiten auf, wobei zunächst eine falsch eingestellte Heizungsanlage als deren Ursache vermutet wurde. Eine Rauchentwicklung war laut späterer Aussage der Besucher sowohl im Gebäudeinneren als auch von außen - unter Umständen auch durch den starken Nebel- zunächst nicht erkennbar. Nachdem erste Brandgeräusche aus dem Dachgeschoß wahrgenommen wurden, haben Cleeberger Anwohner den örtlichen Küster sowie die Zentrale Leitstelle Lahn-Dill in Wetzlar über Notruf verständigt.
Erste Löschversuche des Küsters mit Unterstützung eines zufällig anwesenden Beamten der Umweltpolizei waren aufgrund der starken Verrauchung des Dachgeschosses nicht mehr möglich. Fast zeitgleich wurden laut Alarmplan die Freiwilligen Feuerwehren aus Langgöns-Cleeberg und Lang-Göns sowie der Kreisbrandinspektor des Landkreises Gießen durch die Leitfunkstelle Gießen alarmiert.
Bei Eintreffen der Feuerwehr Cleeberg bot sich folgende Lage:
Rauchentwicklung im Dachgeschoß, wobei das Ausmaß durch den starken Nebel zunächst noch nicht klar zu definieren war. Nach übereinstimmender Aussage des Küsters der Kirchengemeinde und von Passanten waren keine Personen mehr im Gebäude zu vermuten. Offenes Feuer war zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar.
Einsatzverlauf:

Noch vom Feuerwehrgerätehaus Cleeberg aus entschied der Einsatzleiter aufgrund des Alarmstichwortes „Dachstuhlbrand im Alten Rathaus“ neben der bereits alarmierten FF Lang-Göns die Nachbarwehren aus Langgöns-Espa und Langgöns-Oberkleen sowie die DLK 23/12 der Feuerwehr Butzbach zu alarmieren.

Der Angriffstrupp der Cleeberger Wehr ging sofort mit einem CM-Rohr unter
PA in das Dachgeschoß vor. Selbst dabei war zunächst noch kein Feuer erkennbar. Daher wurde durch den Einsatzleiter der FF Cleeberg die Wärmebildkamera der FF Großen-Linden alarmiert.
Nachdem während dem Löschangriff ein Teil der Deckenkonstruktion des 1. Obergeschosses einstürzte, entschied sich die Einsatzleitung den Innenangriff im Dachgeschoß vorerst abzubrechen. Durch die plötzliche Zufuhr von Sauerstoff erfolgte ein Durchzündung der gesamten Deckenkonstruktion.
Von den nachrückenden Wehren und der DLK Butzbach wurde ein umfassender Außenangriff vorgetragen. Durch den zwischenzeitlich eingetroffenen Kreisbrandinspektor Gert Battenfeld wurde die Alarmierung von zwei weiteren DLK 23/12 der Berufsfeuerwehr Gießen und der Feuerwehr Lich veranlaßt.
Da bis zu 6 Trupps gleichzeitig unter PA im Einsatz waren, wurde der AB Atemschutz der BF Gießen alarmiert.
Ein unmittelbar neben dem Alten Rathaus befindliches Wohnhaus wurde wegen der Gefahr einer Brandausbreitung vorsorglich evakuiert.
Die Einsatzstelle wurde in drei Einsatzabschnitte aufgeteilt, wobei in jedem Abschnitt eine DLK und zwei Trupps unter PA im Einsatz waren.
Die Atemschutzüberwachung erfolgte zentral vor dem Haupteingang des Gebäudes.

Die Brandbekämpfung und später auch die Druckbelüftung von den Drehleitern aus brachte neben dem zwischenzeitlich wieder aufgenommenen Innenangriff recht schnell einen Löscherfolg, so daß um 13:23 Uhr „Feuer unter Kontrolle“ gemeldet werden konnte. Erfreulicherweise konnte dadurch die Kernsubstanz des Gebäudes erhalten werden. Durch den umfangreichen Atemschutzeinsatz und die damit verbundene Belastung der Atemschutzgeräteträger wurden die Ortsteilwehren aus Niederkleen und Dornholzhausen noch zur Unterstützung für das Ablöschen einzelner Glutnester alarmiert.
Eine Brandwache der Feuerwehr Cleeberg war bis 24.00 Uhr an der Einsatzstelle.

Neben dem Landrat Willi Marx und dem Langgönser Bürgermeister Horst Röhrig waren auch Vertreter der Kirchenverwaltung sowie der Brandschutzdezernent des Regierungspräsidiums Gießen, Dr. Thomas Stumpf vor Ort. Daneben war ein Streifenwagen der Polizeistation Gießen und ein RTW der Johanniter-Unfall-Hilfe am Einsatzort.

Sehr effektiv war der Einsatz des Überdrucklüfters von der DLK Lich aus

Löschwasserversorgung:

In der ersten Einsatzphase wurde das Wasser aus den Hydranten der öffentlichen Wasserversorgung entnommen. Durch einen Mitarbeiter der Gemeindewerke wurde die Brandreserve des Hochbehälters geöffnet und die maximale Pumpenleistung eingestellt.
Im weiteren Verlauf wurde eine Wasserentnahme aus einer naheliegenden Zisterne zur Versorgung der DLK Butzbach und für den Innenangriff aufgebaut.
Zur Wasserversorgung der DLK Gießen wurde eine Wasserentnahme aus dem ca. 150 Meter entfernten Kleebach vorbereitet.
Hier galt es, einen extremen Höhenunterschied von ca. 45 Meter zwischen der Wasserentnahmestelle und dem Giebel des Brandobjektes zu überwinden.

Die Wasserversorgung für die DLK der Feuerwehr Lich wurde weiterhin durch die Wasserentnahme aus Unterflurhydranten sichergestellt.
Zur Reserve wurde das TLF 24/50 der FF Großen-Linden alarmiert, wobei ein Einsatz nicht mehr erfolgte.

Fazit:

Durch den raschen Einsatz der Ortsteilwehren und durch die rechtzeitige Nachalarmierung wurde ein nachhaltiger Einsatzerfolg sichergestellt. Besonders wichtig war die Entscheidung in der ersten Phase des Einsatzes, bis auf die Löschfahrzeuge der Ortsteilwehren aus Cleeberg, Espa und Oberkleen keine weiteren Fahrzeuge direkt am Objekt zu plazieren. Dadurch war -trotz der extrem engen und teilweise unebenen Straßen um das Brandobjekt- ein schneller Drehleitereinsatz gewährleistet.
Die Verpflegung der Einsatzkräfte wurde während des gesamten Einsatzes durch Nachbarn und Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung der FF Cleeberg in vorbildlicher und unbürokratischer Form sichergestellt.

Als Brandursache wurde einige Tage nach dem Brandereignis mit großer Wahrscheinlichkeit ein elektrischer Defekt an einem Kühlschrank im Dachgeschoß des Alten Rathauses festgestellt.

Eingesetzte Kräfte:

FF Langgöns-Cleeberg: LF 8 mit AL 12, MZF mit TSA
20 Einsatzkräfte

FF Langgöns-Espa:TSF
17 Einsatzkräfte

FF Langgöns-Oberkleen: LF 8, MZF
15 Einsatzkräfte

FF Lang-Göns: ELW 1, LF 16/12, TLF 16/25, RW 1 mit AL 18, MZF
21 Einsatzkräfte

FF Großen-Linden: GW-Meß, TLF 24/50, MZF
8 Einsatzkräfte

FF Butzbach: DLK 23/12
3 Einsatzkräfte

BF Gießen: DLK 23/12, Wechsellader mit AB Atemschutz, ELW 1
4 Einsatzkräfte

FF Lich: DLK 23/12, ELW 1
6 Einsatzkräfte

FF Langgöns-Niederkleen: TSF, MZF
10 Einsatzkräfte